KreisGRÜN: "Wo Ganztagsschule drauf steht, muss auch Ganztagsschule drin sein"
14.11.2007: GRÜNE besuchen Wolfgang-Ernst-Gymnasium in Büdingen und fordern Verbesserung des Angebots!
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Brigitta Nell-Düvel, Sophia Horz-Hövel und Schulleiterin Dr. Susanne Gebauer (v.l.n.r.) |
Die Landratskandidatin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Brigitta Nell-Düvel besuchte letzte Woche das Wolfgang-Ernst-Gymnasium in Büdingen. In Begleitung des Mitglieds des Eigenbetriebs Gebäudewirtschaft des Wetteraukreises Hannelore Rabl sowie der Landtags-Direktkandidatin Sophia Horz-Hövel ließen sich die drei Wetterauer Kreistagsabgeordneten von Schulleiterin Dr. Susanne Gebauer ausführlich informieren. Themen waren die schulische Entwicklung, die steigenden Schülerzahlen von mittlerweile 1440 Schülern und die daraus resultierenden beengten Raumsituation von der bereits vor über 300 Jahren urkundlich erwähnten Traditionsschule informieren. Nell-Düvel zeigte sich beeindruckt von der angenehmen und ruhigen Lernatmosphäre im jetzigen Hauptgebäude der Schule aus dem Baujahr 1989. Sie empfand die von einer offensichtlich engagierten Schulgemeinde durchgeführten Projekte als äußerst förderlich für eine inspirierende schulische Entwicklung. "Ein besonders gelungenes Beispiel ist die zum 100. Geburtstags von Astrid Lindgren realisierte aktuelle Ausstellung mit Rätselquiz in der Schulbibliothek, die als Bücherturm ist", lobt Nell Düvel.
Die Schulkonferenz beabsichtigt laut Dr. Gebauer einen Antrag als offene Ganztagsschule zu stellen, da sich immer mehr Kinder für die Ganztagsangebote im Rahmen der pädagogischen Mittagsbetreuung anmelden würden. Aufgrund der grundlegend anderen Arbeit einer Ganztagsschule im Vergleich zu einer Halbtagsschule müssten Betreuungsangebote, Arbeitsgemeinschaften und Projekte vorgehalten werden. Weiterhin müssten Lehrer als ganztägig an der Schule Arbeitende die Möglichkeit erhalten, in Lehrer-Arbeitszimmern ihren Aufgaben wirklich gerecht zu werden.
DIE GRÜNEN unterstützen das Anliegen der Büdinger Schule und bekräftigen ihre Forderung nach dem Ausbau echter Ganztagsschulen. Dazu Horz-Hövel, schulpolitische Sprecherin ihrer Fraktion: "Neben der Unterrichtsgarantie und der Qualitätsgarantie ist das Ganztagsschulprogramm der dritte große bildungspolitische Etikettenschwindel der Landesregierung. Wo Ganztagsschule drauf steht, ist bei der Kultusministerin Wolff fast ausschließlich pädagogische Mittagsbetreuung drin - an drei Tagen in der Woche bis 14.30 Uhr. Ein Mittagessen und einige zusätzliche Angebote sind zwar besser als nichts. Notwendig wäre allerdings ausreichendes und qualifiziertes Personal für ein sinnvolles Nachmittagsprogramm an allen Schultagen auf der Basis eines pädagogischen Konzeptes".
So könne die individuelle Förderung von leistungsstarken und leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern besser gelingen. Ganztagsschule bedeute, mehr Zeit zum Lernen zu haben, auf die Stärken und Schwächen jedes Schülers individueller eingehen zu können und eine Abkehr vom starren 45-Minuten-Takt. Zudem würden echte Ganztagsschulen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Das von der Kultusministerin ausschließlich geförderte Angebot eines Mittagessens mit anschließender Betreuung könne all dies nicht leisten. Wie in so vielen anderen schulpolitischen Fragen sei die Landesregierung auch beim Thema Ganztagsschulen weit hinter der Fachdebatte und den gesellschaftlichen Erfordernissen zurück. "Viele Schulen wollen seit Jahren zu echten Ganztagsschulen werden, dürfen es aber nicht. Stattdessen setzt das Kultusministerium ausschließlich auf die Förderung der pädagogischen Mittagsbetreuung. Eine große Zahl teilnehmender Schulen ist Frau Wolff wichtiger als die qualitative Weiterentwicklung des Angebots. Einmal mehr gilt: Mehr Schein als Sein", erklärt Horz-Hövel.
Die GRÜNEN setzten sich seit Jahren für eine deutliche Aufstockung der Mittel für das Ganztagsschulprogramm ein. Horz-Hövel betont: "Leider hat die absolute CDU-Mehrheit im Hessischen Landtag jeden Antrag abgelehnt". Insbesondere bei den Grundschulen sehen die GRÜNEN Handlungsbedarf. "Gerade zu Beginn der Schulzeit wäre es wichtig, durch Ganztagsangebote unterschiedliche Startbedingungen von Kindern ausgleichen zu können. Aber ausgerechnet hier ist die Förderung durch das Land besonders dürftig".
Der von der CDU angekündigte weitere Ausbau des Ganztagsschulangebots ist aus Sicht der GRÜNEN ein großer Schritt für die CDU, aber nur ein kleiner Schritt für die Schulen. "Noch vor wenigen Jahren war die Forderung nach Ganztagsschulen für die hessische CDU der Niedergang des Abendlandes. Acht Jahre hat die Landesregierung gebraucht, um diesen Irrtum einzusehen. Jetzt will sich die CDU weitere acht Jahre, bis 2015, Zeit lassen, um mit dem Ausbau von Ganztagsschulen voran zu kommen. Ein solches Schneckentempo können wir uns nicht leisten. Wir brauchen endlich eine andere Landesregierung, die nicht fünf bis zehn Jahre hinter fachlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen zurück ist, sondern sich auf der Höhe der Zeit befindet", so die GRÜNE Landtagskandidatin Horz-Hövel abschließend.
Sophia Horz-Hövel Schulpolitische Sprecherin


