Butzbach: "GRÜNE Genossen gefunden"

27.04.2010: GRÜNE Veranstaltung zu Erneuerbaren Energien fand regen Zuspruch

     
 

Detlef Matthiessen (MdL Schleswig-Holstein), Moderator Michael Schlag und Diethardt Stamm (Grüne Zukunft Wetterau) – v.l.n.r.

 

BUTZBACH (PE). "An der Energiefrage werden Wahlen entschieden", so der Schleswig-Holsteinische Abgeordnete und Experte für Erneuerbare Energien der GRÜNEN, Detlef Matthiessen am Montag in dem vom Kreisverband Wetterau, des Ortsverbandes Butzbach von B’90/DIE GRÜNEN und der Grünen Zukunft Wetterau gemeinsam ausgerichteten Informationsabend "Grüne Genossen gesucht". Im nördlichsten Bundesland, das bereits 2009 den Antrag "100% Strom aus erneuerbaren Energien" verabschiedete, hätten die Menschen gelernt, das Umweltschutz und Profit Hand in Hand gehen können. Insbesondere Landwirte seien zur Erkenntnis gekommen, dass Windparks sowohl umweltverträglich seien und zugleich eine dringend benötigte zusätzliche Einnahmequelle zur klassischen Landwirtschaft sind. So wurden in den letzten Jahren deutlich mehr Windflächen beantragt, als schließlich genehmigt werden konnten. Auch das sogenannte "Repowering", den Ersatz von älteren Windenergieanlagen durch leistungsstärkere ‚Windmühlen’, sei in Schleswig-Holstein kein Thema. Hierbei werde die Anlagenzahl halbiert, der Leistungsertrag aber vervierfacht und entsprechend würden die Investitionskosten dafür in überschaubaren Zeiträumen erwirtschaftet. Für die Wetterau, so Matthiesen, gelte ähnliches. Auch hier sei eine 100% Stromversorgung der Bevölkerung aus Erneuerbaren Energien in naher Zukunft möglich, nur müssten die Weichen - auch in der Kommunalpolitik - hierfür rechtzeitig gestellt werden, die Grundvoraussetzungen seinen aber gegeben. Beispiele, wie sich Gemeinden oder Bürgerinitiativen gegen die Ansiedlung von Windparks wehren, gebe es genügend, wie das Beispiel Wöllstadt zeige. Deren Argumente seien nicht belastbar, insbesondere die, das Windenergie unstet sei. Hier merkte Matthiessen an, dass man die Erneuerbaren Energien immer im Verbund betrachten müsse. Eine totale Windstille gleichzeitig in ganz Deutschland gebe es nicht und geringere Windaufkommen im Jahresdurchschnitt könnten - ein intelligenten Verbund vorausgesetzt, der auch Energiespitzen abfedern kann - durch andere Erneuerbare Energien - wie Sonne oder Wasserkraft - dem sogenannten Energiemix ausgeglichen werden.

Den zweiten Teil des gut besuchten Abends, der in den bewährten Händen von Michael Schlag aus Ebersgöns als Moderator lag, wurde von Diethardt Stamm, dem Nestor der Erneuerbaren Energien in der Wetterau und langjährigen Leiter der Technikerschule in Butzbach gestaltet. "Sonne und Wind ergänzen sich statistisch, während der Anteil an Biomasse bei der Energiegewinnung in der Wetterau eher eine untergeordnete Rolle spielt", so Stamm. Hier widersprach er heftig der hessischen Landesregierung, die einseitig die Energiegewinnung aus Biomasse favorisiert: "Gerade 5-6 Windräder würden benötigt, um die Energie zu erzeugen, die die gesamte Biomasse der Wetterau bei einem Vollausbau zur Verfügung stellen könnte. In den nächsten Jahren - daran sei nicht zu rütteln - werde die Windenergie, unterstützt von der Photovoltaik, die erste Geige spielen und die Versorgung der Wetterau zu 100% mit regionalen Erneuerbaren Energien ermöglichen." In einer Bildschirmpräsentation zeigte Stamm anschließend auf, wie dies erreicht werden kann. Es gelte die lokale Wirtschaft zu stärken und die regionale Wertschöpfung voranzutreiben. Dazu soll die Finanzierung der Projekte durch die Sparkasse Oberhessen und den Volksbanken Priorität gegeben werden. Der Bau und Betrieb von Anlagen vor Ort soll durch regionale Betriebe erfolgen, so dass Gewerbesteuer, Pachten sowie die Rendite für beteiligte BürgerInnen, Kommunen, Landwirte, Vereine, Bürgerinitiativen, Gewerkschaften, u.a. in der Region bleiben. Da die Aufgaben vielfältig und das technische know-how der bisherigen regionalen Energieanbieter (OVAG/EVB) nicht außen vor bleiben soll sowie der finanziellen Rahmen vieler Projekte leicht in den zweistelligen Millionenbereich gehen kann, wäre es sinnvoll, dass die OVAG für Großprojekte - z.B. Windparks - eine KG mit der HessenEnergie als Komplementär und der Genossenschaft als Hauptkommanditisten gründet. Diese zu gründende "Mittelhessische Innovations-Energiegenossenschaft", kurz MIEG, könne alle Akteure, die man benötige, unter einen Hut bringen.

Für Butzbach, so Stamm, ließe sich folgendes Szenario entwickeln: Zwei Windparks mit je vier "Windmühlen" mit je 3 MW könnten ca. 10.000 Haushalte - also mehr als real derzeit vorhanden - versorgen. Hinzu kämen Photovoltaikanlagen auf kommunalen und privaten Dächern. Der Antrag der Butzbacher GRÜNEN hierfür ein Solardach-Kataster zu errichten, wurde bereits gestellt. Darüber hinaus wäre eine Biomasse- bzw. Biogasanlage von ca. 2 MW sowie der Ausbau von BHKW’s in Verbindung mit Solarthermie notwendig. Als relativ neue Methode, Klimaanlagen zu ersetzen, könne auch "Kühlen mit Wärme" von Anfang an mit einbezogen werden.

Leider, so bedauern die Butzbacher GRÜNEN, hätte an diesem Abend zeitgleich eine Haushalts- und Finanzausschusssitzung stattgefunden, so dass Bürgermeister Merle und viele andere Kommunalpolitiker aus verständlichen Gründen verhindert waren. "Allerdings", so die GRÜNEN abschließend, "fand die wohl interessantere und mit großer Sicherheit nachhaltigere Veranstaltung in der Gaststätte Wilhelmshöhe statt. Hier hätte der Magistrat, die Stadtverordneten und die Geschäftsführer der Gesellschaften und Eigenbetriebe lernen können, wie man es miteinander schaffen kann, ‚Richtig Kohle für Butzbach’ zu machen."