Butzbach: Rede von Rüdiger Maas zur Kreditgewährung and die Schützengesellschaft

Die Schützengesellschaft Butzbach von 1410 e.V. baut bereits seit Jahren an einem neuen "Schießleistungszentrum".

Durch - wie es im Sachstandsbericht heißt - unvorhergesehene Umstände wird der Bau mal eben um 581 tausend Euro teurer. Bei einer ursprünglichen Bausumme von 1,546 Millionen Euro ist das eine Verteuerung um 37,6 % der ursprünglich kalkulierten Bausumme. Aber wenn die Stadt Butzbach ja sowieso 20% aller Kosten decken muss, dann braucht ja auch niemand auf die Kosten zu achten. Kostenexplosion, egal, die Stadt wird’s schon richten.

Das ist ein Hammer. Und nur schwer zu verkraften. Eine private Häuslebauerin ginge pleite. Aus der Traum vom Eigenheim. Jedenfalls normalerweise.

Und was haben wir hier? Einen - mit Verlaub gesagt - größenwahnsinnigen Verein, der sich hoffnungslos übernommen hat, und der hier und heute die Hand aufhält. 70.000 Euro geschenkt haben will. 46.000 Euro zinslos haben will, erste Rückzahlung 2020. Geschenktes Geld bis dahin: bei einer Annahme von 3,5 % Zinsen Zins mit Zinseszins: 18887,54 Euro, das ist der Betrag, den die Stadt zusätzlich aufbringen muss, um die 46000 Euro bis zum Beginn der Rückzahlung zu finanzieren.

Und auch danach reduziert sich der Verlust aus der Vorfinanzierung nicht, da die 1840 € jährlicher Tilgung noch nicht mal die Zinsen decken, die ab 2020 bei Berücksichtigung des Zinseszins auflaufen. Gleiches gilt auch noch bei 3 % angenommener Verzinsung. Und je höher die Kreditzinsen am Kreditmarkt, je mehr Geld schiebt Butzbach dem Verein in den Rachen. Wer will, kann diese Berechnung gerne nachprüfen. Ich habe die Übersicht für 3,5 und 3 % dabei.

Im Sachstandsbericht steht auch noch drin, die Schützengesellschaft habe sich im Rahmen mehrerer Gespräche und verschiedener Schreiben zu den unvorhersehbaren Umständen geäußert. Ich kann mich daran erinnern, das der TSV Griedel sich direkt auch an die Grünen gewendet hat, als es darum ging, Unterstützung für Vereinsvorhaben zu erhalten. Den Schützen reicht es offensichtlich, mit den Vertretern der Vereinsmeier zu reden, und in Butzbach werden die Füllhörner geöffnet. Das zeugt von überzeugten Demokraten. Und CDU behauptet, die Opposition würde alles schlecht reden, was so passiert in Butzbach. Nein, wir brauchen nichts schlecht zu reden. Ihr macht das selbst schon schlecht.

Des weiteren steht im Sachstandsbericht was von Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Einnahmeerwartungen. Es sollen Einnahmen aus Vermietung erzielt werden. Das scheint mir eine wirtschaftliche Betätigung zu sein. Hier in der Stadtverordnetenversammlung sitzen doch jede Menge Vertreter des freien Marktes, wieso stimmen die einer Subventionierung eines offenkundig nach privaten wirtschaftlichen Interessen handelnden Vereins zu? Das passt doch hinten und vorne nicht zusammen.

Und was macht der Verein selbst? Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Mitglieder tatsächlich schon mal eine Schusswaffe in die Hand nehmen. Ich weiß nicht, was ein Schuss kostet, bei Luftdruckwaffen sind die Kosten wohl gering. Aber was ist mit den scharfen Waffen? Sind es 50 Cent, 1 Euro oder gar noch mehr pro Schuss? Für diesen "Spass" sind die Schützen also bereit richtig viel Kohle locker zu machen. Und können es offensichtlich auch.

Aber was die Mitgliedschaft selbst anbelangt, da werden kleinste Brötchen gebacken. Ist die Aufnahmegebühr gezahlt, kostet die Mitgliedschaft monatlich 2,50 € für Schüler bis 14, 3,00 € für Jugendliche und Ehegatten von Schützen und für die Schützen selbst 5,00 €. Sorry, all die Mitglieder haben mit zu dem größenwahnsinnigen Projekt beigetragen, das jetzt voll den Bach runter geht. Aber nur mit Wünschen, nicht mit Geld.

Soviel zur finanziellen Seite dieser Bettelei. Aber für mich gibt es auch noch einen anderen Aspekt, der nicht unmittelbar mit der Schützengesellschaft Butzbach 1410 e.V. zusammenhängt, aber sehr wohl mit Schützenvereinen im Allgemeinen. Der Amokläufer von Winnenden nahm sich die Waffen seines Vaters, Mitglied eines Schützenvereins, der die Waffen nicht vorschriftsmäßig verschloss. Dar Amokläufer von Erfurt trat ein in einen Schützenverein, um an die Waffen zu gelangen, eine Glock Pistole und eine Pumpgun, auf was wird mir einer Pumpgun im Schützenverein geschossen? Und nach welchen Kriterien wird derSchützenkönig "Pumpgun" erkoren? Wer das größte Loch freischießt? Und dafür Geld von der Stadt?

Für mich ein Grund mehr, gegen jede Form von Schießen zu sein, und damit auch gegen jede Form von Unterstützung. Ich werden gegen diese Geldverschwendung stimmen.