Brigitta Nell-Düvel: "Chancen auf dem Land "
27.12.2007: Die Wetterauer Landwirtschaft von morgen: Gesunde Lebensmittel, Energie vom Acker, keine Gentechnik
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Sophia Horz-Hövel, Thomas Wolff und Brigitta Nell-Düvel auf dem Pappelhof in Beienheim |
Die Wetterau ist eine seit Jahrhunderten von der Landwirtschaft geprägte Kulturlandschaft. "Und das soll sie bleiben", so die GRÜNE Landratskandidatin Brigitta Nell-Düvel. Die Perspektiven der heimischen Landwirtschaft sind nach Jahren des schleichenden Niedergangs besser und faszinierender als zuvor. Die Stichworte heute lauten vor allem: ‚Gesunde Lebensmittel‘ und ‚Erzeugung nachwachsender Rohstoffe‘. Dieser Wandel birgt neben Chancen auch Risiken, wie am Beispiel des Einsatzes von Gentechnik deutlich wird. Um so wichtiger ist es, entschieden für eine Landwirtschaft einzutreten, die sich im Einklang mit der Natur und nicht gegen sie entwickelt.
Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel sowie die Brüsseler Agrarmarktordnung sind auch an der ländlichen Wetterau nicht spurlos vorüber gegangen. Die Folge: Weniger Höfe, weniger Landwirte, Rückgang der landwirtschaftlichen Fläche sowie eine von äußeren Faktoren abhängige Produktion. Während der viele Jahre prägende Zuckerrübenanbau im Schwinden begriffen ist, deutete sich über den zunächst auf Stilllegungsflächen ausgesäten Raps die neue Perspektive an. Neben der Produktion von Lebensmitteln schlägt nun die Produktion von Energiepflanzen ein neues Kapitel für die Wetterauer Landwirte auf. Aufgabe der Wetterauer Politik ist es, diesen Veränderungsprozess aufmerksam und unterstützend, aber auch als Lobbyist für die Umwelt zu begleiten.
Nell-Düvel: "Wie dieser Prozess in den kommenden Jahren genau abläuft, ist schwer zu sagen. Mit dem neuen Betätigungsfeld der Produktion nachwachsender Rohstoffe scheinen sich angesichts steigender Energiepreise auch die Verdienstmöglichkeiten in der Landwirtschaft zu verbessern. Das wird auch an den zuletzt gestiegenen Lebensmittelpreisen deutlich. Allerdings birgt dieser Wandel auch Risiken. Umweltverbände befürchten in diesem Zusammenhang das Entstehen großflächiger Monokulturen sowie den Einsatz von Gentechnik. Dies ist für mich eine Horrorverstellung! Ich setzte mich für eine gesunde, umweltschonende Landwirtschaft ohne Gentechnik ein. Die Landwirtschaft in der Wetterau darf nicht zu einer Agrarindustrie verkommen."
Eine Alternative ist der Ökolandbau, der die umweltschonendste Produktionsweise darstellt. Dass ökologisch produzierte Lebensmittel ankommen, zeigen die rasant steigenden Absatzraten, die auf das Bedürfnis der Verbraucher nach pestizid- und gentechnikfreien Lebensmitteln und die zahlreichen Lebensmittelskandale der Vergangenheit zurückzuführen sind. Die deutschen Landwirte können die nachwachsende Nachfrage nach Bio-Produkten nicht mehr decken. Während der deutsche Biomarkt seinen Umsatz um 16% auf 4,5 Milliarden € gesteigert hat, ist die Zahl der Bio-Landwirte lediglich um 0,4 % gestiegen (Stat. Bundesamt 2006) "Der Markt für gesunde, ökologisch, aber auch regional produzierte Lebensmittel ist da. Politik muss diesen wünschenswerten Prozess unterstützen, z.B. durch eine besondere Förderung umstellungswilliger Betriebe sowie die Verbesserung der Verarbeitungs- und Vermarktungschancen ökologischer oder regional erzeugter Produkte."
Ein Besuch des nach Bioland-Kriterien bewirtschafteten Pappelhofes in Reichelsheim bestätigt die große Nachfrage der Verbraucher. Drei Landwirte bauen dort Kartoffeln. Gemüse und Obst an. Ein Großteil der Ernte wird von der Vermarktungsgesellschaft Querbeet mit dem Gesellschafter Thomas Wolff auf Märkten in Frankfurt und Offenbach verkauft, vor 10 Jahren kam ein Lieferservice im Rhein-Main-Gebiet dazu, das neueste Projekt ist das Bio-Bistro in der Frankfurter Kleinmarkthalle. Eine Erfolgsgeschichte: Für das Angebot an gesunden, überwiegend regionalen Lebensmitteln für die Konsumenten arbeiten dort 6 Menschen in der Landwirtschaft und 55 Menschen in der Vermarktung, saisonal sind es sogar mehr. Mittlerweile werden auch Ausbildungsplätze angeboten.
Neben der Unterstützung der Direktvermarktung und dem Engagement der Landwirtschaft als Landschaftspfleger im Rahmen von Naturschutzprojekten sieht Nell-Düvel in der konkreten Kreispolitik weitere gute Ansatzpunkte, den von ihr gewünschten Wandel zu unterstützen.
"80% der Verbraucherinnen und Verbraucher lehnen die Gentechnik ab. Was liegt also näher, als die Wetterau zusammen mit der Landwirtschaft zu einer ‚gentechnikfreien Region‘ zu erklären, so wie es mehrere Landkreise z.B. die Bodenseeregion in Baden-Württemberg und der Landkreis Eichstätt/ Ingolstadt ( ( Wahlkreis von Verbraucherminister Seehofer ) in Bayern vorgemacht haben?
Das in der Kreisverwaltung laufende Projekt ‚Wetterau - eine Region voller Energie‘, das sich insbesondere der Biomassenutzung widmet, muss zum Erfolg geführt werden. Eine Studie des Landes attestiert gerade dem Wetteraukreis hier ein hohes Potential. Auch ein Projekt wie im südniedersächsischen Jühnde, wo sich ein kleines Dorf mit Energie selbst versorgt und sich so von Öl und Gas unabhängig gemacht hat, ist in der Wetterau denkbar.
Es lohnt sich auch - wie bei der Passivhaustechnik - ein Blick über den Teller- rand nach Frankfurt: auch in der Wetterau können analog der Forderung "Gesundes Essen für unsere Kinder" in den Mensen und Kantinen der Wetterauer Schulen hochwertige, regional bzw. ökologisch produzierte Lebensmittel auf den Tisch kommen.
Ich bin mir sicher, die Entwicklung der Wetterau zu einer ökologischen Modellregion ist machbar und sinnvoll."


